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Arme sterben eher – zum Glück für die deutschen Rentenkassen

Das deutsche Rentensystem ächzt unter der erdrückenden Last des nicht eingehaltenen Generationenvertrags und unter dem chronifizierten gierigen Griff ressortfremder Hände in die längst räuberisch geplünderten Rentenkassen. Um hier Abhilfe zu schaffen, kommen die sozial ohne eigenes aktives Zutun bestens abgefederten deutschen Politiker immer wieder zu den beiden gleichen probaten Lösungen: Erstens die Sozialabgaben und zweitens das Rentenalter des kleinen Mannes ständig raufschrauben. Doch nun zeichnet sich aus einer bislang mental vernachlässigten Richtung ein extrem makaberer Silberstreif am Planungshorizont ab: Was, wenn die Deutschen gar nicht mehr erst ins Rentenalter kämen? Dann müssten sie Zeit ihres langen Arbeitslebens in das staatliche Fass ohne Boden finanziell hineinbluten und würden dafür im Gegenzug rein gar nichts zurückbekommen. Diese gruselige Gedankenfigur wächst auf dem erschreckenden statistischen Nährboden der traurigen Tatsache, dass Geringstverdiener immer weniger Lebensjahre vor sich haben. Für Professor Butterwegge, Armutsforscher an der Universität zu Köln, ein triftiger Grund für einen lauten Aufschrei.

Arme sterben eher - zum Glück für die deutschen Rentenkassen

Arme sterben eher - zum Glück für die deutschen Rentenkassen

Eine hohe Lebenserwartung „verdient“ nicht jeder

Wer da behauptet, dass „die Deutschen“ im Schnitt immer älter würden, der betrachtet nur eine, und zwar die auf wohlhabenden Hochglanz polierte Seite der Medaille. Auf der anderen, der dunklen Seite des Zensus, krebsen jene bedauernswerten Menschen vor sich hin, die pausenlos gegen das lebensbedrohliche Unterschreiten der eigenen Armutsgrenze ankämpfen müssen. So wurde jüngst zu Protokoll gegeben, dass arme Schlucker und permanent klamme Niedriglöhner in den letzten 10 Jahren volle zwei Jahre an statistischer Lebenserwartung eingebüßt haben. Wenn man sich jetzt noch vor Augen hält, dass derzeit 24 Prozent aller offiziell Erwerbstätigen, also ein sattes Viertel, mit Dumpinglöhnen zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig haben, wird schnell deutlich, welches volksgesundheitliche Spiel auf Zeit hier läuft. Hierzu erhebt Prof. Dr. Christoph Butterwegge (Köln) seine zu Recht mahnende Stimme: Der ausgewiesene Armutsfachmann kann nämlich glaubhaft belegen, dass Menschen in der materiellen Armutszone deutlich ungesünder leben, und zusätzlich viel mehr bedrohlichen Stresssituationen ausgeliefert sind, als finanziell besser gestellte Zeitgenossen. Fakt ist, dass arme Menschen häufiger mit (Existenz)Ängsten konfrontiert sind, massive Schlafprobleme haben, und von der Gesellschaft auch nicht gerade seelisch und moralisch hinreichend unterstützt werden. Man versetze sich hier nur mal „spaßeshalber“ in die Lage einer hart arbeitenden Person, die trotz 56-Stunden-Woche noch den Kitt aus den Fenstern nagen muss, um halbwegs satt zu werden. Das ist nämlich die pekuniäre Konsequenz von Stundenlöhnen, die bestenfalls die 6,50-Euro-Kante von tief unten sehen. Kein Wunder, dass das die Lebensgeister auf Dauer tötet.

Was hat das mit der Rentenpolitik zu tun?

Dazu eine kleine provokante Textaufgabe: Wenn 24 Prozent (Tendenz eher steigend) der Beschäftigten aufgrund ihrer desolaten finanziellen Verhältnisse bei gegebener vitaler Bedrohungen der eigenen seelischen und körperlichen Gesundheit im Schnitt sechs Jahre weniger Rente beziehen – wer profitiert wohl massiv davon? Jedenfalls nicht die Beitragszahler und Bezugsberechtigten, wenn man Zwei und Zwei zusammenzählt. Genauere Rechenergebnisse kann man sich aktuell bei Matthias W. Birkwald abholen, seines Zeichens rentenpolitischer Sprecher der Linkspartei.

Ab dem 1. Januar 2012 wird in Deutschland das Rentenalter peu a peu auf 67 Jahre hochgefahren. Honi soit qui mal y pense.

-Carina Collany-

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2. Januar 2012 - Posted by | Uncategorized | , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

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